{"id":5041,"date":"2019-05-27T13:45:58","date_gmt":"2019-05-27T11:45:58","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:10048\/?p=5041"},"modified":"2019-05-27T16:16:23","modified_gmt":"2019-05-27T14:16:23","slug":"interview-mit-jesus-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/perlenschatz.info\/en\/interview-mit-jesus-de\/","title":{"rendered":"Interview mit Jesus.de"},"content":{"rendered":"<div class=\"classic-content-wrap\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5034 size-medium\" src=\"https:\/\/perlenschatz.info\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Jesus-deWeb-300x273.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"273\" srcset=\"https:\/\/perlenschatz.info\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Jesus-deWeb-300x273.jpg 300w, https:\/\/perlenschatz.info\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Jesus-deWeb-768x698.jpg 768w, https:\/\/perlenschatz.info\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Jesus-deWeb.jpg 972w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Nathanael Ullmann von Jesus.de f\u00fchrte ein Interview mit Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Anette Bauscher. Titel: <em>&#8220;Christen betreiben Frauenhaus f\u00fcr Muslime.&#8221;<\/em> Hier ein paar Ausz\u00fcge:<em>\r\n<\/em>\r\n\r\n<strong>Migrantinnen zu helfen, die zwangsverheiratet werden oder unter Gewalt leiden, ist die Berufung von Anette Bauscher. Mit ihrem Verein \u201ePerlenschatz\u201c gr\u00fcndete sie ein Frauenhaus, das ebenjenen Menschen Obdach gew\u00e4hrt. Doch ihre Vision bleibt nicht ohne Kritik. Ein Interview. <\/strong>\r\n\r\n<em>Die Fragen stellte Nathanael Ullmann<\/em>\r\n\r\n<strong>Jesus.de: H\u00f6rt man, wie Sie auf die Idee von Perlenschatz gekommen sind, klingt das schier unglaublich.\r\n<\/strong>Anette Bauscher: Ja. Ich habe zehn Jahre lang bei ERF Medien gearbeitet und danach f\u00fcr Diospi Suyana (Anm. d. Red.: ein soziales Krankenhausprojekt). Nach ein paar Jahren bei diesem tollen Projekt habe ich gebetet, wie es weitergeht. Weil ich das Gef\u00fchl hatte, Zeit zu vergeuden, denn die Pionierarbeit war beendet. Gott hat lange nicht reagiert, bis zum Februar 2011. Nach einem erneuten Gebet, ob ich mich selbst\u00e4ndig machen oder etwas anderes Soziales machen sollte, stellte Gott mir ein Bild vor mein inneres Auge: ein Frauenhaus, neben dem verschleierte muslimische Frauen stehen.\r\n\r\n<strong>Hatten Sie davor schon mit dem Thema der muslimischen Frauen zu tun?\r\n<\/strong>Ich habe vielleicht zwei oder drei Lebensgeschichten von Muslima gelesen. Aber das war f\u00fcr mich bis dahin ein Randthema.\r\n\r\n<strong>Die Berufung war klar. Aber Sie hatten weder ein Haus noch Spender. Wo f\u00e4ngt man da an?\r\n<\/strong>Erst einmal habe ich mir eine Auszeit genommen und Studien \u00fcber Frauenh\u00e4user und deren Finanzierung gelesen. Au\u00dferdem habe ich nach dem Erstellen meines Konzeptes Kontakt mit dem Sozialministerium, Kommunen etc. gekn\u00fcpft und ihnen von meiner Vision erz\u00e4hlt. Und ich habe mit Menschen wie der Pakistani Sabatina James gesprochen, die sich \u00fcber meine Aktion freuten, weil sie den Bedarf sahen. Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher fragte ich, ob sie bereit w\u00e4re, Botschafterin f\u00fcr Perlenschatz zu sein. Und das war sie. 2014 habe ich dann mit 22 Freunden aus ganz Deutschland einen Verein gegr\u00fcndet und mit der \u00d6ffentlichkeitsarbeit begonnen.\r\n\r\n<strong>Wie kommen die Frauen denn zu Ihnen?\r\n<\/strong>Selten melden sich die Betroffenen selbst bei uns. H\u00e4ufiger sind es Beh\u00f6rden und Vertrauenspersonen, die Frauen direkt vermitteln oder uns empfehlen. Die eigene Familie zu verlassen, das ist allerdings ein riesiger Schritt. Die Sehnsucht nach den Eltern bleibt ein Leben lang. Und viele der Frauen wissen: Wenn sie gehen, m\u00fcssen sie um ihr Leben f\u00fcrchten.\r\n\r\n<strong>Oft holen Sie die Frauen selber ab. Ist das nicht unglaublich gef\u00e4hrlich?\r\n<\/strong>Das wird nat\u00fcrlich genau geplant. Die Frauen wissen in der Regel, wann und wie lange der Mann unterwegs ist. Dann haben sie nur ein paar Tage oder Stunden, um ausziehen. Mit allen Konsequenzen.\r\n\r\n<strong>Den genauen Ort Ihres Frauenhauses verraten Sie aus Sicherheitsgr\u00fcnden niemanden. Reicht das an Sicherheit aus?\r\n<\/strong>Vor oder sp\u00e4testens nach ihrer Ankunft bei uns m\u00fcssen die Frauen ihr Smartphone abgeben. Sie kriegen dann ein Ersatzhandy ohne GPS, wobei auch die nicht internetf\u00e4higen Handys zwischenzeitlich leicht geortet werden k\u00f6nnen. Da geht es um den Schutz der Frauen und der Mitarbeiter. Nat\u00fcrlich beten wir um Schutz und werden auch beim Haus noch Sicherheitsma\u00dfnahmen umsetzen. Tats\u00e4chlich waren wir aber noch nicht ernsthaft in Gefahr. Mal abgesehen davon, dass uns einmal ein Mann gedroht hat, das Haus anzustecken. Notfalls k\u00e4men die Frauen in ein Opferschutzprogramm.\r\n\r\n<strong>Sie betonen, dass muslimische Frauen das Leben in der Gro\u00dffamilie eher gewohnt sind. Was sind noch die Unterschiede zu einem regul\u00e4ren Frauenhaus?\r\n<\/strong>Wichtig ist, die muslimischen Frauen an die Hand zu nehmen und individuell zu schauen: Was brauchen sie? Deutsche Frauen sind viel individualistischer erzogen als Frauen aus orientalischen Kulturen. In unserer Wohngemeinschaft mit Hauseltern werden die Frauen in familien\u00e4hnlichen Strukturen aufgefangen, wir geben ihnen Integrationshilfe, k\u00fcmmern uns intensiv um sie etc.\r\n\r\n<strong>Die Frauen sind im Frauenhaus. Wie geht es dann weiter?\r\n<\/strong>Unser Ziel ist es, den Selbstwert der Frauen zu st\u00e4rken, ihnen Wertsch\u00e4tzung und Liebe entgegenzubringen und sie so selbstst\u00e4ndig wie m\u00f6glich zu machen. Sie k\u00f6nnen so lange bei uns bleiben, bis sie sich zutrauen, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Manchmal gehen die Frauen nach ihrer Zeit im Frauenhaus auch in eine \u00dcbergangs-WG. Den jungen M\u00e4dchen machen wir Mut, die Schule fertig zu machen. F\u00fcr die Selbstst\u00e4ndigkeit brauchen die Migrantinnen oder Fl\u00fcchtlingsfrauen viel Zeit. In ihrem alten Leben ist ihnen au\u00dferhalb ihres Haushalts ja alles vorgegeben worden.\r\n\r\n<strong>Haben Sie positive Erlebnisse, \u00fcber die Sie berichten k\u00f6nnen?\r\n<\/strong>Ermutigungen gibt es immer wieder. Zum Beispiel wurde mir eine Frau nach Hause gebracht. V\u00f6llig fertig und resigniert. Am dritten Tag sagte sie: \u201eJetzt habe ich zum ersten Mal wieder Hoffnung.\u201c Oder: \u201eIch sehe, dass Gott mit Dir ist und mich zu Dir gef\u00fchrt hat.\u201c Ein andermal rief ein Polizist bei uns an. Als ich die Frau nach zweist\u00fcndiger Fahrt bei ihm abholte, sagte er: \u201eIch habe \u00fcber 14 Frauenh\u00e4user angerufen.\u201c Ich fragte, ob alle anderen keinen Platz gehabt h\u00e4tten, aber er sagte: \u201eDas schon, aber die erste Frage war immer die nach der Finanzierung. Sie waren die einzige, die diese Frage nicht gestellt hat.\u201c Regul\u00e4re Frauenh\u00e4user d\u00fcrfen meist keine Frauen aufnehmen, bei denen die Finanzierung nicht gesichert ist. Deshalb k\u00f6nnen sie oft nicht handeln, wenn es schnell gehen muss. Dann werden wir empfohlen.\r\n\r\n<strong>Was brauchen Sie aktuell noch?\r\n<\/strong>Wir suchen noch eine erfahrene Sozialarbeiterin, eine Erzieherin und einen Hausmeister. Die Erzieherin und der Hausmeister m\u00fcssen sich aber \u00fcber einen eigenen Freundeskreis finanzieren. Wir erhalten keine \u00f6ffentlichen Gelder und die Spenden kommen nicht so schnell oder nicht in der H\u00f6he, wie wir uns das w\u00fcnschen. Unser Frauenhaus verschlingt j\u00e4hrlich mit Personal etwa 300.000 Euro. Und die haben wir nicht. Gott sei Dank legt Gott Perlenschatz Einzelnen stark ans Herz, aber es sind noch zu wenige. Vor allem F\u00f6rderer, also Freunde, die sich verbindlich mit einem festen monatlichen Betrag hinter uns stellen, mit dem wir planen k\u00f6nnen. Wir br\u00e4uchten auch M\u00e4nnerteams aus Gemeinden, die bereit sind, f\u00fcr ein verl\u00e4ngertes Wochenende bei einem von drei Arbeitseins\u00e4tzen im Jahr zu helfen. Wir suchen zudem nach mehr Dolmetschern, die auch tags\u00fcber zu erreichen sind. Einen eigenen Juristen f\u00fcr den Verein w\u00fcnschen wir uns auch. Im Optimalfall jemand, der sowohl im Asyl- als auch im Familienrecht bewandert ist. Und die rund 400 Beter, ohne die gar nichts l\u00e4uft, k\u00f6nnen noch mehr werden. Deshalb freuen wir uns, Einladungen in Gemeinden zu erhalten, um unsere Vision dort vorzustellen.<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nathanael Ullmann von Jesus.de f\u00fchrte ein Interview mit Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Anette Bauscher. 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