Dunkelfeldstudie „LeSuBiA“
10. Februar 2026

Das erschreckendste Ergebnis: Noch nicht einmal 5 % der Partnerschaftsgewalt wird angezeigt!
Lange haben wir darauf gewartet, nun liegt die Dunkelfeldstudie LeSuBiA zu Gewaltbetroffenheit vor (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag). Vorgestellt wurde sie in einer Bundespressekonferenz von Familienministerin Karin Prien, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) Holger Münch. Die letzte Dunkelfeldstudie zu diesem Thema gab es 2004. Neu an dieser ist, dass sie auch Gewalt an Männern und digitale Gewalt thematisiert.
Über 15.000 Menschen wurden über eineinhalb Jahre lang befragt. Frauen sind stärker betroffen als Männer. Besonders hoch sind die Opfer bei jungen Menschen, queeren Personen und Frauen mit Migrationshintergrund – und hier vor allem Frauen. Letzteres wissen wir aus eigener Erfahrung und deckt sich bereits mit dem Ergebnis früherer Studien.
Hier die wichtigsten Ergebnisse:
- Noch keine 5 % der Männer und Frauen, die psychische oder körperliche Partnerschaftsgewalt erleben, werden angezeigt! Also werden mehr als 19 von 20 Gewalttaten nicht angezeigt! Die Anzeigequoten sind unabhängig von der Form der verübten Gewalt durchgehend niedrig; sie liegt bei den meisten Gewaltformen unter zehn Prozent.
- Jede 6. Person hat in ihrem Leben körperliche Gewalt erfahren durch (Ex-)Partner (16,1 %)
- 44,5 % erlebten psychische Gewalt in der Partnerschaft, also fast jeder zweite
- Jede 2. Person hat schon sexuelle Belästigung erfahren
- 17,8 % der Frauen, also mehr als jede 6. Frau, hat in ihrem Leben schon einen sexuellen Übergriff erlebt
- Frauen sind insgesamt häufiger und schwerer von Gewalt betroffen als Männer und sind häufig Mehrfachopfer geworden. Sie haben mehr Angst, tragen häufiger Verletzungen davon und sind im Blick auf die Lebensgefahr mehr gefährdet
- Jede 2. Person berichtet von körperlicher Gewalt in der Kindheit durch die Eltern oder Erziehungsberechtigte, jeder 4. von Gewalt zwischen den Eltern.
Der Vergleich zwischen der alten und der neuen Studie zeigt, dass das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen erschreckend hoch ist.
Körperliche Gewalt in Partnerschaften oder Ex-Partnerschaften erfährt immer noch fast jede Frau in ihrem Leben, führt die Familienministerin aus. Zugleich zeige die LeSuBiA noch höhere Betroffenheit von sexuellen Übergriffen und Belästigungen, dieses Ausmaß sei auch älteren Studien nicht bekannt. Als besonders besorgniserregend bezeichnet Prien die höhere Betroffenheit von jüngeren Frauen in Bezug auf die Häufigkeit und Schwere der Gewalt, unabhängig von der Gewaltform. Sie sind häufiger von wiederholter Gewalt betroffen und von mehreren Gewaltformen betroffen.
„Schutzeinrichtungen reichen bei weitem noch nicht!“
Was können wir tun? fragt sich Ministerin Prien und nennt die bekannten Punkte Gewalthilfegesetz, Hilfenetz ausbauen, Beratung soll garantiert werden. Das ist Ländersache, der Bund unterstützt mit 2,6 Milliarden ab 2027 bis 2032. Aktuell gibt es mehr als 380 Schutzeinrichtungen mit rund 7.800 Plätzen. 2022 hätten diese Einrichtungen rund 30.000 Personen aufgenommen, 14.000 Frauen mit rund 16.000 Kindern. „Die traurige Wahrheit ist aber auch, dass reicht bei weitem noch nicht aus.“ Durch neue Programmmittel von 150 Millionen Euro für die Sanierung von Frauenhäusern unterstützt der Bund aktuell die Länder mit dem Ausbau des Hilfesystems. Perlenschatz profitiert davon nicht. Die jährlichen Anrufe allein beim bundesweiten Hilfetelefon 116 016 haben sich auf 61.000 Anrufe gesteigert. Weitere Maßnahmen sind Fußfessel nach spanischem Vorbild (aktuell sind sie noch nicht in allen Bundesländern eingeführt), der Ausbau der psychosozialen Prozessbegleitung und die verpflichtende Täterarbeit. Außerdem Präventionsarbeit, die sich die Ministerin zur besonderen Aufgabe gemacht hat.
Sehr viele Frauen und Männer erleben partnerschaftliche Gewalt also, ohne sie anzuzeigen. Die Studie soll zu den Gründen, zum Anzeigeverhalten und dem Aufsuchen von Hilfsangeboten im Spätsommer noch weitere Ergebnisse liefern.
Mehr siehe https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Forschung/ForschungsprojekteUndErgebnisse/Dunkelfeldforschung/LeSuBiA/Ergebnisse_Publikationen/ergebnisse_node.html und https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/pressemitteilungen/dunkelfeldstudie-lesubia-zeigt-weniger-als-zehn-prozent-der-gewalterfahrungen-werden-angezeigt-280254